Lehrer als Korrekturmaschinen: Zeitmangel und der Abiturstress
Lehrer stehen vor der Herausforderung, dass die Zeit für Korrekturen beim Abitur immer knapper wird. Besonders betroffen sind Mathe und Deutsch.
Es ist an der Zeit, über die unhaltbaren Bedingungen zu reden, unter denen Lehrer in der Abiturphase arbeiten müssen. Die Korrekturen von Prüfungen in Mathe und Deutsch, zwei Fächer, die traditionell als Herzstück unseres Bildungssystems gelten, werden zur Geduldsprobe. Es mangelt an Zeit, und das schlägt sowohl auf die Lehrer als auch auf die Schüler durch.
Erstens, die zeitlichen Vorgaben sind einfach unrealistisch. Lehrer müssen in der Regel innerhalb von wenigen Tagen Hunderte von Prüfungen korrigieren. Das bedeutet, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes in einen Korrekturmarathon hineingeworfen werden, der wenig Raum für individuelle Rückmeldungen lässt. Matheprüfungen, mit ihren unzähligen Lösungsansätzen, erfordern nicht nur das Ablesen von richtigen Lösungen, sondern auch das Nachvollziehen von Denkprozessen. Wenn aber die Uhr tickt, bleibt oft nur die hastige Notiz "richtig" oder "falsch" – eine Farce, wenn man bedenkt, dass es darum geht, das Wissen und die Fähigkeiten der Schüler zu beurteilen.
Zweitens, die Auswirkungen auf die Schüler sind nicht zu unterschätzen. Ein hastig korrigiertes Abitur ist ein Abbild der Gefühllosigkeit, die in unserem Bildungssystem gewachsen ist. Schüler haben das Recht auf fundiertes Feedback, um ihre Leistungen zu verstehen und gegebenenfalls zu verbessern. Wenn Lehrer unter Druck gesetzt werden, bleibt oft nur der schale Geschmack von Ungerechtigkeit. In einer Zeit, in der viele Schüler bereits mit Prüfungsangst zu kämpfen haben, wird der Stress durch unzureichende Korrekturen nur verstärkt. Was für ein tristes Bild von der Bildungslandschaft.
Ein möglicher Einwand könnte sein, dass die Abiturprüfungen ja nur eine Momentaufnahme des Wissens seien. Das mag sein, aber das rechtfertigt nicht, dass Lehrer unter dem Druck stehen, die Qualität ihrer Bewertungen zu opfern. Der Abiturstress ist inzwischen ein leidiges Kapitel unserer Schulgeschichte, und der Versuch, ihn durch die Reduzierung der Korrekturzeit noch weiter zu verschärfen, ist nichts weniger als absurd. Die Antwort auf die Frage, wie wir die Qualität unserer Bildung verbessern können, liegt auf der Hand: Wir müssen den Lehrern die Zeit geben, die sie benötigen, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden und den Schülern ein faires und wertvolles Feedback zu geben.